Ja, es stimmt. Seit einer Woche bin ich stolze Oma. Wundert Sie das? Mich auch. Obwohl meine Tochter ja mit Anfang Zwanzig durchaus erwachsen und das Kind nicht gerade vom Himmel gefallen ist. Immerhin hatte ich neun Monate Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass meine Tochter Mutter wird. Und ich damit zwangläufig zum Omatier mutiere - ob ich dazu nun Lust habe oder nicht.
Keiner fragte mich, ob ich derzeit seelisch stabil genug bin, um Großmutter zu werden. Ob ich überhaupt dazu bereit bin, mich zur Abwechslung in eine völlig neue Rolle einzufinden. Niemanden interessierte, ob ich angesichts meiner beruflichen Ziele und hochfliegenden Weiterbildungspläne gerade jetzt Lust auf zusätzliche innerfamiliäre Pflichten habe. Mal ganz abgesehen davon, dass der jüngste Onkel des Enkels (also mein kleinstes Kind) selber gerade mal zarte vier Jährchen zählt.
Und während ich noch versuchte, mich an diesen neuen Gedanken zu gewöhnen, war ich auch plötzlich schon Oma. Und wie sich das gehört, rollten schnurstacks meine erste Tränchen der Rührung: Mein Einstand als rollenkonformes Großmütterchen ist damit schon mal halbwegs geglückt. Und auch die ein oder andere Frage rund ums Stillen konnte ich immerhin recht vernünftig beantworten.
Doch wer beantwortet all meine Fragen? Die da wären: Darf ich noch Jeans tragen oder ist das ab jetzt irgendwie unangemessen? Komme ich nun in die Wechseljahre? Darf ich meine Erziehungsweisheiten ungehemmt weitertragen oder sind diese ab sofort antiquiert? Muss ich jetzt Knödel kochen und Söckchen stricken? Und überhaupt: Was macht eine gute Oma eigentlich so den ganzen Tag?
Zum Glück gibt es einen Mann an meiner Seite, mit dem ich über all diese wichtigen Dinge sprechen könnte, wenn er denn mal Zeit hätte. Der ist jetzt nämlich Opa. Auch so ein putziger Gedanke...