Ich bin ja eigentlich schon bekennender Tatort-Fan. Oft beschließe ich das Wochenende auf dem Sofa lümmelnd und schaue Odenthal, Ballauf, Leitmeier oder dem lahmen Bienzle bei ihrer kriminalistischen Arbeit zu. Klar, so manche Story ist arg konstruiert, manche langweilig. Dennoch bin ich meistens gutmütig in meinem Urteil. In meiner Familie tummeln sich viele Schauspieler und auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Drehbuchautoren und Regisseure. Ich weiß also, wie viel Arbeit in so einem Streifen steckt. Darum bin ich geneigt, über manche logischen Fehler und kleinere Fehlbesetzungen generös hinwegzusehen.
Doch langsam entdecke ich neue Seiten an mir: Ich fange an, mich zu ärgern. Was ist passiert? Charlotte Lindholm hat doch bloß ein Kind bekommen. Kann ja mal passieren bei einem One-Night-Stand. Den Mann kennt sie nicht, sie weiß nur, dass er verheiratet ist und - man höre und staune- nicht schwul! Wie gut, dass sie sofort nach der Geburt genau so schlank ist wie vorher. Dass ihr die Übermüdung überhaupt nicht anzusehen ist. Und wie günstig, dass ihr trotteliger WG-Freund, der sie ja eigentlich liebt, aber nicht kriegt, dusselig genug ist, Tag und Nacht für den Kleinen den Dauerbespaßer zu geben. Wahrscheinlich hat er sonst keine Hobbys. Und Geld verdienen muss er irgendwie auch nie.
Wie doof ist das denn! Soll wohl cool sein, ist aber eigentlich nur ärgerlich. Welche Mutter kann sich mit dieser Komissarin schon identifizieren? Erst klebt ihr radioaktives Plutonium an der Hand und anschließend nimmt sie ihr gleichmütig wirkendes Baby auf den Arm. Sie kommt so gar nicht rüber als Mutter. Kein Gefühl springt einen an. Von dem Konflikt zwischen Kind und Karriere auch nichts zu spüren. Ach ja, klar, entschuldigung, sie hat ja auch gar keinen. Sie kriegt das ja locker hin, kein Zweifel nagt an ihr, stets trägt sie ihr hübsches Pokerface zur Schau. Selbst dann, wenn ihr die eigene Mutter den zynischen Rat gibt: "Gib den Kleinen doch gleich in die Babyklappe. Reinpassen tut er ja noch!" Schlimmer gehts nimmer.
Liebe Frau Furtwängler und Kollegen, etwas mehr Realismus bitte! Eine Prise Humor könnte übrigens auch nicht schaden.

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